
Claire
Denis verbrachte ihre Kindheit in Afrika und kehrte dann nach
Frankreich zurück. Als sie noch sehr jung war, heiratete sie einen
Photographen, und absolvierte auf seine Anregung hin ein
Filmstudium am Institut des hautes études cinématographiques (IDHEC)
und machte dort 1972 nach mehreren Science-Fiction-Kurzfilmen ihren
Abschluss.
Claire Denis arbeitete als Regieassistentin u.a. mit Jacques
Rivette, dem sie später einen Dokumentarfilm widmete, Jacques Rouffio,
Jim Jarmusch und Wim Wenders. Die kargen Landschaften der Dreharbeiten
von
Paris, Texas
inspirierten sie zu ihrem mehr oder weniger autobiografischen
Spielfilmdebüt
Chocolat,
das vor dem Hintergrund von Rassenspannungen im kolonialen Afrika der
50er Jahre spielt. Das Werk wurde beim Filmfestival von Cannes gezeigt,
für die französischen Césars nominiert und von der amerikanischen
Kritik gefeiert. Mit
Scheiβ
auf den Tod tauchte sie in die Welt der Hahnenkämpfe in
den Pariser Vorstädten ein, und
Ich kann nicht schlafen (1994) suggerierte das Abdriften
des Serienmörders Thierry Paulin. So schuf die Filmemacherin eine ganz
eigene, herbe, der Nacht verbundene Welt.
Die Regisseurin blieb ihren Darstellern Alex Descas, Béatrice Dalle,
Vincent Gallo und Grégoire Colin treu und wurde 1996 für die Wirrungen
eines Pizzabäckers und seiner ausgerissenen Schwester in
Marseille,
Nénette
et Boni, mit dem Silbernen Löwen in Venedig ausgezeichnet.
Den
Cahiers du Cinéma
erklärte sie, dass sie sich mit Filmen identifizieren könne, die sich
auf plastische Erzählung verlassen. Ihre folgenden Werke waren
eigenwillig und zeichneten sich durch das Augenmerk auf die Körper und
eine klare Absage an plakative Dialoge aus:
Trouble Every Day,
sinnlich und ungezähmt, versetzte Cannes im Jahr 2000 in Aufruhr, und
die minimalistische Liebesgeschichte
Vendredi soir
verhalf Valérie Lemercier neben Vincent Lindon zu ihrer ersten
dramatischen Rolle.
Die beiden darauf folgenden Filme begaben sich für Arte auf die Reise:
Der Fremdenlegionär (Beau
travail) zog mit der Legion nach Dschibuti, und der von
dem Text des Philosophen Jean-Luc Nancy inspirierte Film
Der Feind in meinem Herzen
(L’Intrus) zeigte Irrfahrten zwischen Norden und Süden. In
Anschluss an eine Dokumentation über die Choreografin Mathilde Monnier
und eine Ausstellung über die afrikanische Diaspora widmete Claire
Denis sich zwei sehr unterschiedlichen Langfilmen: die innige
Vater-Tochter-Beziehung 35 Rum erregte bei den Filmfestspielen in
Venedig 2008 groβes Aufsehen, und dann drehte sie im Kamerun ihrer
Kindheit
White Material,
in dem Isabelle Huppert und Christophe Lambert zum ersten Mal als Paar
auf der Leinwand erschienen.